Umwelt

11.9.2014

Noch nie so viel Treibhausgas in die Luft geschleudert

«Uns läuft die Zeit davon»: Ein UN-Bericht schlägt Alarm über den Anstieg der CO2-Konzentration. Das ist nicht das einzige Problem.

 

Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre hat nach einem Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) 2013 einen neuen Höchststand erreicht. Zugleich seien die Gas absorbierenden Ozeane von einer «beispiellosen» Übersäuerung betroffen, heisst es in dem am Dienstag in Genf veröffentlichten Jahresbericht der UN-Organisation.

Die Kohlendioxid (CO2)-Konzentration sei seit 30 Jahren nicht so stark angestiegen wie von 2012 auf 2013. Die CO2-Konzentration habe im vergangenen Jahr auf 396 pro Millionen Teile oder 142 Prozent des vorindustriellen Wertes (1750) zugenommen, schreiben die Klimaexperten. Das Plus habe von 2012 auf 2013 alleine 2,9 pro Millionen Teile betragen. Die Methan-Konzentration habe im vergangenen Jahr bei 253 Prozent, die Stickstoffoxid(Lachgas)-Konzentration bei 121 Prozent des vorindustriellen Wertes gelegen. Alle drei Werte seien neue Höchststände, erklärte die WMO.

«Uns läuft die Zeit davon»

«Wir wissen mit Gewissheit, dass sich das Klima wandelt und die meteorologischen Bedingungen wegen des menschlichen Verhaltens immer extremer werden», sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud bei der Vorstellung des Berichts. «Wir müssen den Trend stoppen, indem wir den Ausstoss von CO2 und anderen Treibhausgasen zurückfahren. Uns läuft die Zeit davon.»

Ein weiterer alarmierender Trend, den die WMO feststellte: Der sogenannte Strahlungs- oder Klimaantrieb (radiative forcing), der durch die Treibhausgaskonzentration verändert wird, nahm von 1990 bis 2013 um 34 Prozent zu. Und die Gase, die in Ozeanen gespeichert werden, haben weitreichende Konsequenzen. Täglich würden die Weltmeere rund vier Kilogramm CO2 für jeden auf der Erde lebenden Menschen aufnehmen. Der Säuregehalt der Ozeane sei dadurch auf den höchsten Stand seit mindestens 300 Millionen Jahren gestiegen, schreiben die Fachleute.

«Die Gesetze der Physik sind nicht verhandelbar»

«Vergangene, gegenwärtige und künftige CO2-Emissionen werden eine kumulative Auswirkung auf die Klimaerwärmung und die Säuerung der Ozeane haben», sagte Jarraud. «Die Gesetze der Physik sind nicht verhandelbar.» (AFP)

 

9.5.2014

Die Schweiz lebt auf Pump

 

Die Schweizer Bevölkerung hat morgen (9. Mai) die Ressourcen verbraucht, die ihr für das ganze Jahr 2014 zustehen würden. Mittlerweile wären 2,8 Planeten nötig, um die Bedürfnisse der Schweiz zu stillen.

 

8.5.2014

Die Folgen der Ozeanversauerung

 

Der Klimawandel wird nicht nur zur Erwärmung der Atmosphäre und des Wassers, sondern auch zur Versauerung der Ozeane führen. Welche Konsequenzen das für die marinen Organismen und Lebensgemeinschaften letztlich haben wird, lässt sich aber noch nicht sicher abschätzen, denn bislang wurden nur wenige Spezies untersucht. Dafür bedarf es zunächst ausführlicher Langzeitstudien an einer Vielzahl von Organismen.

Ganzer Artikel: http://worldoceanreview.com/wor-1/meer-und-chemie/ozeanversauerung/

 

24.9.2013

Tausende unabhängige Beobachtungen belegen das… 

 

Thomas Stocker leitet die Klimaverhandlungen mit über 190 Regierungsdelegationen. Der Berner Forscher sieht keine Pause im Klimawandel. Langfristig steige die Temperatur weiter an.

Vier Jahre lang hat Thomas Stocker zusammen mit seinem
chinesischen Kollegen die Arbeitsgruppe I des Intergovernmental Panel on
Climate Change (IPCC) geleitet. Sie befasst sich mit den
wissenschaftlichen Aspekten des Klimasystems. Über 200 Wissenschaftler
sammelten, beurteilten und interpretierten die neusten
Forschungsergebnisse zum Klimawandel der letzten fünf Jahre. Weitere 600
Forschende weltweit haben Beiträge geleistet, und über 1000 Experten
begutachteten diese in mehreren Stufen.

Daraus entstand ein über 2000 Seiten starker Bericht über den physikalischen Zustand unserer Erde. Und nun gilt es in dieser Woche im Plenum, die Delegierten
von 195 Regierungen Satz für Satz von den neuen Resultaten zu
überzeugen. «Wir haben den Klimabericht mit über einer Million Wörtern
auf knapp 20 Schlüsselaussagen mit 800 Wörtern hinuntergebrochen», sagt
Stocker. Am kommenden Freitag (27.9.)wird der Bericht der Öffentlichkeit
vorgestellt.

Interview dazu: http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/Tausende-unabhaengige-Beobachtungen-belegen-das/story/12043580

 

28.5.2013

Arktis-Erwärmung bringt Forscher in Lebensgefahr

Wie sich das anfühlt, wenn man buchstäblich den Boden unter den Füssen verliert, bekommen derzeit die sechzehn Arktisforscher der russischen Nordpol-Station SP-40 zu spüren. Wegen der zunehmenden Erwärmung der Arktis zerbricht die Eisscholle, auf der sich ihr Forschungslager befindet. Eine lebensgefährliche Situation – zur Evakuierung des Camps bleibt nur wenig Zeit.

 

Der russische Atom-Eisbrecher Jamal soll sich Ende Mai aus Murmansk auf den Weg zu der Forschungsstation machen. Zehn Tage wird die Fahrt dauern, es könnte eine Rettung in letzter Sekunde werden. Wie der Leiter der Forschungssation, Wladimir Sokolow, mitteilte, nehmen die Risse in der zwei bis vier Meter dicken Eisscholle dramatisch zu. Nicht nur das Leben der Forscher ist in Gefahr: Sollte der Abbau der Station nicht rechtzeitig gelingen, droht die Freisetzung von Schmierölen und Abfällen.

Die Forschungsstation war erst im Oktober 2012 errichtet worden. Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern kommentiert ihr vorzeitiges Ende: «Die dramatische Situation auf der russischen Forschungsstation in der Arktis ist eine Warnung an alle, die künftig die Rohstoffe der Region ausbeuten wollen. Die Bedingungen vor Ort sind nicht kalkulierbar, jederzeit kann es durch Wetterumschwünge zu gefährlichen Situationen kommen. Geplante Ölbohrungen sind angesichts dieser Gefahren verantwortungslos und müssen gestoppt werden. »

Schon seit 80 Jahren betreibt Russland treibende Forschungsstationen im Nordpolarmeer. Diese dienen auch der Erkundung von Bodenschätzen, die in der Arktis vermutet werden: Öl, Gas und seltene Erden. Der russische Staatskonzern Gazprom betreibt in der Petschorasee bereits die Öl-Bohrinsel Prirazlomnaya, die in diesem Jahr die Förderung aufnehmen könnte. Greenpeace-Aktivisten – unter ihnen auch der Greenpeace-Geschäftsführer Kumi Naidoo – hatten 2012 mit Schlauchbooten an der Plattform protestiert.

In Folge der globalen Erwärmung sind immer grössere Gebiete des Nordpolarmeers im Sommer eisfrei. Staaten und Ölkonzerne wollen diese Veränderungen nutzen, um neue Öl- und Gasvorräte und kürzere Seewege zu erschliessen. Anstatt die Zeichen der Zeit zu erkennen und einen nachhaltigen, zukunftsorientierten Weg der Energieversorgung einzuschlagen, setzt die Industrie weiter auf fossile Energien wie Öl und heizt die Zerstörung einer der letzten unberührten Regionen der Erde weiter an. Deshalb fordert Greenpeace ein Verbot der industriellen Ausbeutung der Arktis.

Unter den Arktis-Anrainerstaaten ist eine Auseinandersetzung um die staatenlosen Arktis-Gebiete entbrannt. In einer symbolischen Aktion hatte ein U-Boot 2007 eine russische Flagge aus Titan am Nordpol befestigt. Greenpeace fordert, dass in den internationalen Gewässern der hohen Arktis ein Schutzgebiet errichtet wird, das die Arktis vor der Annexion einzelner Staaten bewahrt.

Innerhalb eines knappen Jahres haben sich bereits 3 Millionen Menschen unserer Bewegung für eine geschützte Arktis angeschlossen.

 

28.8.2012

Noch nie ist das Eis in der Arktis so stark geschmolzen

Das Eis im Nordpolarmeer ist in diesem Sommer so stark geschmolzen wie niemals zuvor. Die Schuld geben US-Wissenschaftler dem Klimawandel und warnen, dass auch das Wetter weitab von den Polen immer extremer werden könnte.

Das Meereis im Arktischen Ozean sei in diesem Sommer bereits auf eine Fläche von 4,09 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen. Das sei der tiefste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen durch Satellitenaufnahmen 1979, teilte das US-Schnee-und-Eis-Daten-Zentrum gestern mit. In den kommenden Wochen dürfte das Eis noch weiter schmelzen. Bislang lag der Tiefstwert 2007 bei 4,17 Millionen Quadratkilometern.

Auch natürliche Ursachen

Das Meereis im Polarmeer nimmt normalerweise eine Fläche von mehr als 15 Millionen Quadratkilometern ein, schmilzt im Sommer und nimmt ab Mitte September wieder zu. Dafür, dass das Eis jetzt weit mehr als üblich schmilzt, macht Wissenschaftler Ted Scambos den durch Menschen verursachten Klimawandel verantwortlich.

Neben den Treibhausgasen gebe es auch natürliche Ursachen, wie einen Sturm, der im August Teile der Eisdecke zum Schmelzen gebracht habe, sagt Scambos. Doch die dramatische Eisschmelze, die seit 2007 alljährlich mit Ausnahme eines Jahres im Nordpolarmeer zu beobachten sei, zeige ein Muster, das nur durch den Klimawandel erklärbar sei.

Wichtiger Faktor für die Wetterbedingungen

Der jetzt erreichte Rekordwert sei ein «wesentlicher Schritt» hin zu einer Zeit, in der es in der Arktis im Sommer keine signifikante Meereisdecke mehr geben werde, sagte NASA-Chefwissenschaftler Waleed Abdalati. «Warum uns das Sorgen machen sollte? Weil dieses Eis ein wichtiger Faktor bei der Entstehung der Klima- und Wetterbedingungen war, unter denen die moderne Gesellschaft sich entwickelt hat», sagte Abdalati.

Wissenschaftlern zufolge hilft das Meereis im Arktischen Ozean die Temperaturen im Süden zu regulieren. Eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie des Fachmagazins «Geophysical Research Letters» zeigte Zusammenhänge zwischen der Schmelze des arktischen Meereises und extremen Wetterphänomenen wie Dürren, Hochwasser sowie Kälte- und Hitzewellen auf. (Quelle: Tages-Anzeiger 28.8.12)

 

18.6.2011

Mehr Wald

Es gibt wieder mehr Wälder in Europa: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im norwegischen Oslo gestern von der Ministerkonferenz zum Schutz der europäischen Wälder vorgestellt wurde.

Gemäss dem Bericht mit dem Titel «Zustand der europäischen Wälder 2011» wuchsen die Waldflächen während der letzten 20 Jahre um 0,8 Millionen Hektar pro Jahr. Insgesamt gebe es heute 1,02 Milliarden Hektar Wald in Europa, dies entspricht einem Viertel der weltweiten Waldvorkommen. Auch die Dichte der Wälder und die Höhe der Bäume nahm der Studie zufolge zu: In Kubikmetern gemessen betrug der Zuwachs in den vergangenen 20 Jahren 8,6 Milliarden.

Mehr CO2-Absorption

Gute Nachrichten gibt es dadurch auch für das Klima: Zwischen 2005 und 2010 absorbierten die europäischen Wälder rund 879 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr. Das entspricht den Angaben zufolge rund zehn Prozent des gesamten Treibhausgasausstosses in Europa 2008.

Forscher Ton der Klimaforscher

Noch gut vier Monate bis zur Uno-Klimakonferenz im Dezember. Der Ausgang der Verhandlungen in Kopenhagen wird wegweisend sein für den weltweiten Klimaschutz. Es geht um einen neuen, völkerrechtlich verbindlichen Klimavertrag, der das Kyoto-Protokoll im Jahr 2013 ablösen soll. Würden die Verhandlungen heute stattfinden, sie wären vermutlich aus der Perspektive der Forschung eine Pleite. Nur so lässt sich der forsche Ton interpretieren, den die Klimawissenschaftler anschlagen.Der Weltklimarat hat im Bericht über den Zustand der Erde vor zwei Jahren gezeigt, was zu tun wäre: Der weltweite Ausstoss an Treibhausgasen müsste spätestens ab 2015 sinken. Die Industriestaaten müssten ihre Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Eine klare Botschaft in diese Richtung wäre angebracht gewesen, sagte Pachauri vom IPCC. Doch die Regierungschefs blendeten eine kurz- und mittelfristige Sicht aus. Auch der Berner Klimaforscher Thomas Stocker, einer der führenden Köpfe beim Weltklimarat, hat seine frühere politische Zurückhaltung abgelegt. Heute schweigt er nicht mehr. Er hätte es bereits früher gemacht, aber vor 15 Jahren, am Anfang seiner Karriere, habe es nicht so viele wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel gegeben, sagt er. Das sagt sich auch die Gruppe führender Wissenschaftler, welche die Regierungschefs am G-8-Gipfel aufgeforderte, ihre Klimapolitik zu ändern, damit nicht «inakzeptable Risiken» entstehen. Der Druck der Wissenschaft hat sich erhöht. Doch reicht er aus für einen grossen politischen Schritt? Die Regierungen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht in ihre Karten schauen. Erst die Verhandlungen in Kopenhagen werden zeigen, ob der Hilferuf der Forscher endlich ernst genommen wird. (Quelle: Tages-Anzeiger 11.8.09)

18.4.2011

Schweiz verpass Kyoto-Ziele

Der Treibhausgas-Ausstoss ist in der Schweiz im Jahr 2009 um 1,5 Millionen Tonnen auf 51,85 Millionen Tonnen gesunken. Zurückgegangen sind die Emissionen unter anderem wegen der milden Temperaturen und der wirtschaftlichen Abkühlung im Berichtsjahr.

Diese zwei Faktoren widerspiegeln sich auch in der detaillierten Übersicht zu den Verursachern der Treibhausgas-Emissionen: Den grössten Rückgang verzeichnet die Industrie, die ihren Ausstoss in CO2-Äquivalenten um 750’000 Tonnen senkte, wie aus einem Communiqué des Bundesamts für Umwelt (Bafu) von heute hervorgeht.

Die Haushalte, die vor allem durch Heizen Treibhausgase verursachen, trugen 240’000 Tonnen zur Reduktion bei. Und im Verkehr sank der Ausstoss um 180’000 Tonnen.

Grösster Klimagassünder: der Verkehr

Trotz dieses Rückgangs bleibt der Verkehr heute in der Schweiz der grösste Treibhausgas-Verursacher. Zwischen 1990 – dem Referenzjahr der Kyoto-Reduktionsziele – und 2009 stieg der Ausstoss um 1,8 Millionen Tonnen oder 12 Prozent auf 16,58 Millionen Tonnen an. Damit ist der Verkehr hierzulande für einen Drittel der Treibhausgase verantwortlich.

Abgesehen vom Verkehr und vom Abfallsektor gingen die Emissionen in allen anderen Bereichen seit 1990 zurück: In der Industrie und im Dienstleistungssektor um je 9 Prozent, in der Landwirtschaft um 7 Prozent und bei den Haushalten um 10 Prozent.

Trotz dieser rückläufigen Tendenzen hat die Schweiz auch im Jahr 2009 die Ziele des Klimaschutzabkommens von Kyoto verfehlt. Gemäss Kyoto-Protokoll muss die Schweiz den Ausstoss von Treibhausgasen im Mittel der Jahre 2008 bis 2012 gegenüber dem Jahr 1990 um 8 Prozent senken.

Als Treibhausgase gelten gemäss Vertrag neben dem wichtigsten Klimagas CO2 auch Methan, Lachgas sowie die synthetischen Gase (HFC, PFC und SF6).

Weiterhin über Kyoto-Zielwert

Einen Teil der Reduktionsverpflichtungen darf die Schweiz mit Klimaschutzprojekten im Ausland und dem Kauf von Emissionsrechten erfüllen. Ausserdem hat sich die Schweiz im Jahr 2006 ausbedungen, dass sie die CO2-senkende Leistung des Waldes anrechnen kann. Da in der Schweiz – dank steigender Waldfläche im Alpenraum – der Holzzuwachs grösser ist als die Holznutzung, wird CO2 gebunden.

Unter Anrechnung der Leistung des Waldes und des Kaufs von Emissionszertifikaten dürfte die Schweiz damit im Mittel der Jahre 2008 bis 2012 noch 48,6 Millionen Tonnen Treibhausgase ausstossen. De facto lag der Ausstoss jedoch auch 2009 trotz rückläufiger Tendenz noch um 0,6 Millionen Tonnen über diesem Zielwert.

Dies bestätigt die Berechnungen des Bafu vom letzten November: In der Verpflichtungsperiode 2008-2012 wird in der Schweiz im Schnitt pro Jahr 0,8 Millionen Tonnen zu viel Treibhausgas ausgestossen. Wie das Ziel dennoch erreicht werden soll, muss der Bundesrat entscheiden.

Noch unbekannt ist die Wirkung von zwei neuen Massnahmen gegen Treibhausgase: So wurde auf Anfang 2010 die CO2-Abgabe erhöht und das Gebäudesanierungsprogramm gestartet. (Quelle: Tages Anzeiger)